Verpasste Chance#7: Eine auf das künftige Stadtklima ausgelegte Planung

Christian Häberli –

Wie die Zürcher Stadtplanung ihre eigenen Grundsätze locker über Bord wirft.
Gemäss dem Fachplan Hitzminderung der Stadt Zürich (link) wird sich die Hitzeinsel in Zürich Nord bis 2030 massiv ausdehnen.

heute 2030

Der Gestaltungsplan Thurgauerstrasse leistet einen wesentlichen Beitrag an diese unerwünschte Entwicklung. Eine Neuplanung ist zwingend, damit die Empfehlungen aus dem Fachplan Hitzeminderung umfassend umsetzt werden. Diese Planung braucht etwas Zeit. Es kann nicht sein, dass eindimensional auf dieses Ziel hingearbeitet wird und dabei die langfristigen Auswirkungen auf das Stadtklima ausser Acht zu lassen. Schlicht absurd ist die Behauptung der Befürworter*innen des Gestaltungsplans, dass dank der Verbesserungen durch den Gemeinderat „deutlich mehr Bäume“ vorgesehen seien. Das bezieht sich das auf den ursprünglichen Gestaltungsplan und nicht auf die Ist-Situation! Wie sollen auf 65’000 m2 ein Schulhaus, fünf Hochhäuser und Flachbauten mit Wohnungen für „über 2000 Menschen“ entstehen und dann erst noch mehr Bäume gepflanzt werden als die heute weit über 100? Insbesondere wenn nicht einmal das Bauminventar vollständig ist (siehe diesen Artikel)? Und was soll die Vorschrift, 10% der Fassaden zu begrünen? Der Nutzen dieser Massnahme steht in keinem Verhältnis zu den Kosten!

Zwei Stadtklimatologen aus Wien haben in einem Kurzgutachten den Gestaltungsplan mit dem Konzept „Wohnhöfe Grubenacker“ verglichen und kommen zum Schluss, dass der Gestaltungsplan Thurgauerstrasse in zentralen Punkten den Empfehlungen dem Fachplan Hitzeminderung widerspricht:

  • Im Gegensatz zum Gestaltungsplan lässt das Konzept „Wohnhöfe Grubenacker“ eine größere Durchlässigkeit für nächtliche Kaltluftströme in West-Ost-Richtung zu. Die im Teilplan Kaltluftsystem eingezeichnete Strömung von der Bahn in Richtung Thurgauerstrasse wird aufgrund dieser Durchlässigkeit besser erhalten, weil es an mehreren Stellen das Planungsgebiet durchströmen kann.
  • Das Konzept „Wohnhöfe Grubenacker“ weist mehr und grössere zusammen- hängende Freiraumflächen auf als der Gestaltungsplan. Deshalb ist die Maßnahmenempfehlung Aufenthalts-, Bewegungs- und Verkehrsräume zu entsiegeln, zu begrünen und zu beschatten für das Projekt „Wohnhöfe Grubenacker“ konsequenter umsetzbar.

Das ganze Gutachten ist hier zu finden.

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