Verpasste Chance #8: Einbezug der gemeinnützigen Wohnbauträger

Christian Häberli –

„Stell Dir vor, es gibt Baurechte für gemeinnützigen Wohnraum und keiner will sie“. Dieses Szenario wird ziemlich sicher bald Wirklichkeit wenn es um die Umsetzung des Gestaltungsplans Thurgauerstrasse geht, falls er am 29. November angenommen werden sollte. Eigentlich müssten die Wohnbaugenossenschaften der Stadt Zürich ja laut jubeln, denn es gibt Baurechte auf über 30’000 Quadratmetern. Eine Suche nach einer Reaktion der Wohnbaugenossenschaften auf dieses Angebot ergibt: Null – Nichts – Nada! Keinerlei positive Reaktion – keine Vorfreude auf Architekturwettbewerbe und Entwicklung eines neuen Quartierteils. Auf keiner Webseite, weder einer Genossenschaft noch des Verbands ist mehr zu finden als nüchterne Mitteilungen. Auf der Webseite des Verbands ergibt eine Abfrage nach „Gestaltungsplan Thurgauerstrasse“ exakt 4 (vier) Treffer. Das ist sehr wenig, wenn es um die letzte grosse Baulandreserve der Stadt Zürich geht!

In einem Interview mit der P.S. Zeitung bemerkte Stadtrat Odermatt letzte Woche trocken „die Genossenschaften verhalten sich nun neutral“. Diese Aussage lässt nur einen Schluss zu: Wenn sich die Genossenschaften nie positiv geäussert haben und jetzt neutral sind, dann unterstützen sie den Gestaltungsplan nicht. Anders kann man diese Aussage nicht interpretieren. Ist der Gestaltungsplan Thurgauerstrasse also eine weitere riesengrosse Mogelpackung mit der Aufschrift „bezahlbarer Wohnraum“?

Wir wissen, dass die Wohnbaugenossenschaften nicht begeistert sind vom Gestaltungsplan Thurgauerstrasse. Dies hauptsächlich aus drei Gründen:

  1. Eng gefasster Gestaltungsplan. Der Gestaltungsplan umreisst das Projekt zu scharf und lässt zu wenig Freiraum für die Anordnung und Dimensionen der Baukörper. Damit werden Projekte von vornherein verunmöglicht, welche die bestehende Siedlung mit einbeziehen.
  2. Die Hälfte der Wohnungen befindet sich in Hochhäusern. Etwa ein Drittel ist in Flachbauten geplant. Der Rest der verfügbaren Geschossfläche ist für Gewerbenutzung vorgesehen (aus Gründen des Lärmschutzes entlang der Thurgauerstrasse kann dieser Anteil nicht als Wohnraum genutzt werden). Wohnungen in Hochhäusern sind rund 15 bis 25% teurer in Bau und Unterhalt. Die Notwendigkeit, Hochhäuser zu bauen steht im Widerspruch zur Anforderung, kostengünstigen Wohnraum zu schaffen. Die Wohnbaugenossenschaften forderten von Anfang an, den Anteil der Wohnungen in Hochhäusern markant zu reduzieren.
  3. Mangelnde Qualität der Innenhöfe. Der Gestaltungsplan sieht schattige, gleichförmige und unattraktive Innenhöfe vor. Die Wohnbaugenossenschaften haben deshalb beantragt, die Innenhöfe zu vergrössern, differenzierter zu gestalten und mit publikumswirksamen Attraktionen anzureichern.

Bemerkenswert ist, dass die Einwände des Verbands der Wohnbaugenossenschaften deckungsgleich sind mit jenen der Anwohnerinnen und Anwohner! Das stimmt zuversichtlich, dass auf dieser Ebene eine konstruktive Zusammenarbeit möglich wird.

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